[ZOOM] Erfolg hinter einer Maske

Dieser Artikel wurde für die luxemburgische Tageszeitung “Lëtzebuerger Journal” geschrieben. Die Rubrik “ZOOM” greift junge, alternative und unternehmerische Themen auf und bringt sie den Lesern näher. (Text in veränderter Form im Print)

Für viele Schüler ist der Sprachenunterricht, in dem Aufsätze, Gedichte oder Literaturgeschichte praktiziert werden, ein Albtraum. Für die einen ist es langweilig, für andere ist das Verständnis von Literatur aus dem 19. Jahrhundert eine wahre Herausforderung. Bei Antoine Pohu, Schüler im Lycée de Garçons (LGL) in der Hauptstadt, ist das genaue Gegenteil der Fall. Er liebt Literatur, und war deshalb besonders begeistert sich für die “A-Sektion” einzuschreiben. Der 18-jährige geht über seine Hausaufgabenlast hinaus, und schreibt seit drei Jahren seine eigenen Texte zu hause. “Auf der “5ième” musste ich Les Misérables von Victor Hugo vorstellen. Damals fragte meine Lehrerin mich ob mich das Werk verändert hätte. Damals winkte ich ab. Heute leuchtet mir ein warum man mir die Frage gestellt hat”, so der Literaturbegeisterte.

Für Antoine, der vom Elternhaus aus zweisprachig (Luxemburgisch und Französisch) aufgewachsen ist, ist das Schreiben sichtlich ein unentbehrlicher Teil seines Alltags. “Manchmal kommt mir die Idee für eine Geschichte im Bus, wo ich sie auch zu Ende denke. Dann braucht es manchmal nur eine Stunde in der ich sie ganz niederschreibe. Ein genaues Ritual habe ich nicht. Die Inspiration muss spontan kommen.” Und so kam sie auch für “Le Masque”: Eine 1100-Wort Kurzgeschichte für die Antoine Pohu den Prix Laurence 2018 in der Alterskategorie 18-26 Jahre gewann. Er hatte den Originaltext anfänglich aufgebessert, da er versuchte in der luxemburgischen Literaturzeitschrift “Les cahiers luxembourgeois” veröffentlicht zu werden. “Ich dachte mir: warum sollte ich nicht mein Glück versuchen. Am 22. April war dann das Finale mit 14 Finalisten. Wir hatten insgesamt sieben Minuten um den Text vorzutragen”, so Antoine. Es würde ihn nicht nur freuen den Preis erhalten zu haben, sondern auch dass “Le Masque” in der Ausgabe 2018/1 der genannten “Cahiers luxembourgeois” erscheinen wird.

“Le Masque” erzählt vom Leben eines depressiven Mannes namens Tom, dessen Verschweigen seiner Gefühle durch eine Reihe von schweren Masken symbolisiert wird. Das Verstecken von Gefühlen die uns bedrücken, machen den Protagonisten normaler in den Augen seines sozialen Umfelds, doch der Leser kommt schnell zum Schluss dass er Hilfe benötigt, und kein Theaterstück einer Person die er nicht ist.

“Un jour alors qu’il se leva comme d’habitude, il sentit qu’il n’eut plus la force de mettre un masque. Il n’en pouvait plus, même ses dernières forces avaient disparu : même le sommeil ne lui procurait plus de repos, il se levait plus harassé le matin qu’il ne se couchait le soir.”

Die Geschichte endet dramatisch. Antoine musste seine eigenen Eltern beruhigen: “Sie wurden zunächst skeptisch wegen der allgemeinen Ausrichtung des Textes. Ich habe klargestellt dass es bloße eine Geschichte ist!”

Was eine Karrier in der Literatur angeht, ist Antoine skeptisch: “Nach dem Gymnasium will ich in Brüssel Geschichte studieren. Solange ich nicht unerwartet einen Durchbruch mache, wird das Schreiben höchstwahrscheinlich ein Hobby bleiben.” Dies will er auch mit Lieder umsetzen, da er seine Textkompetenzen mit Klavier oder Gitarre begleiten will. Wer weiß, vielleicht sehen wir gerade Luxemburgs nächsten Singer-Songwriter?

Auf die Frage hin wie er den Zustand und die Evolution des Sprachgebrauchs, durch Anglizismus und die Vereinfachung der Sprache, sieht, zeigt der Schüler sich differenziert: “Eine Sprache muss sich entwickeln, ansonsten verliert sie den Zugang zu den Menschen die sie benutzen sollen. Gleichzeitig muss es Regeln geben, die eine Sprache vor zu vielen Veränderungen bewahren.”

Wer mehr über den Prix Laurence erfahren will, kann dies auf der Webseite www.prixlaurence.lu tun, wo man ebenfalls “Le Masque” lesen kann. Antoine kann man auf seinem Instagram-Profil folgen.

About Bill Wirtz

My name is Bill, I'm from Luxembourg and I write about the virtues of a free society. I favour individual and economic freedom and I believe in the capabilities people can develop when they have to take their own responsibilities.

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