Wozu dient noch die Weltgesundheitsorganisation?

Mit ihrem Bericht über weltweite Luftverschmutzung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen Aufsehen erregt. Zehn Mikrogramm Feinstaub sollen maximal in der Luft liegen, damit Menschen sich sicher sein können. Den aktuellen Daten zufolge erreichen nicht einmal europäische Städte dieses Limit, weshalb empfohlen wird, drastische Gesetzesänderungen voranzutreiben, darunter Regelungen wie das komplette Verbot von Dieselfahrzeugen. Änderungen wie diese sollen Millionen Leben retten. Doch allein die Aussage, dass „Luftverschmutzung tötet“, ist problematisch. Es wären Unmengen an Daten nötig, um auch nur ansatzweise zu belegen, dass Menschen durch bloßes Ein- und Ausatmen gestorben sind.

Die Diskussion um Luftverschmutzung ist allerdings nicht die einzige, die Kritikern der WHO recht gibt. Bei der Ebolakrise 2014 in einer Reihe afrikanischer Länder stellte sich heraus, dass die WHO-Beamten bereits im Frühjahr vom Ausbruch wussten, es jedoch bis August dauerte, bis ihre Organisation den Ausbruch zum Ernstfall erklärte und aktiv wurde. Wir reden hier von Monaten, nachdem die breite Öffentlichkeit bereits mit den Problemen der Epidemie vertraut war.

Die WHO hatte andere Prioritäten: Während der WHO-Bericht des gleichen Jahres nicht auf die Ebolakrise einging, konnte ein anderer Übeltäter identifiziert werden: Tabakwerbung. Die WHO zeigte sich besorgt, dass durch Tabakwerbung die Verbreitung nicht übertragbarer Krankheiten ansteigen könnte. Noch auffälliger ist, dass die WHO nicht nur das Tabakmarketing in westlichen Ländern ansprach, sondern auch in den von Ebola betroffenen Gebieten. In Guinea starben mehr als 2500 Menschen an Ebola, aber die wichtigen gesundheitlichen Probleme einer möglichen weltweiten Epidemie wurden nicht angegangen, da sich die WHO stattdessen mit Zigaretten beschäftigte.

Im März 2017 berichtete Associated Press, dass die WHO mehr für die Reisen von 7000 Mitarbeitern ausgegeben hat als für die Bekämpfung von MalariaTuberkuloseAids und Hepatitis sowie die Bekämpfung psychischer Krankheiten und Drogenmissbrauch zusammen. Die Organisation fordert trotz allem, dass ihr Budget erhöht wird, da es momentan angeblich nicht ausreicht, um ihrer Rolle als Gesundheitsdienstleister gerecht zu werden.

Vergleichen wir die WHO mit Médecins sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen), die fast ausschließlich mit privaten Spenden gefördert werden und im Kampf gegen Ebola durch groß angelegte Operationen unter Einbeziehung von Forschern und vieler Freiwilliger eine bessere Arbeit leisteten. Die Transportkosten der Ärzte ohne Grenzen belaufen sich auf lediglich 160.000 Euro, denen Ausgaben von mehr als einer halben Million Euro für Kampagnen in Afrika gegenüber stehen (hinzu kommen 50.000 Euro für Nord- und Südamerika, 4200 Euro für Ozeanien, 50.000 Euro für Europa und 300.000 Euro in Asien).

Damit zeigt sich, dass sich diejenigen, die an Hilfe für Menschen in Not interessiert sind, besser an Wohltätigkeitsorganisationen wenden sollten, nicht an den Staat. Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen zeigen, dass die Motivation von Menschen, die an ihre Sache glauben, viel effektiver ist als das Ertränken öffentlicher Ressourcen in den Budgets extravaganter Experten. In der Debatte über die Notwendigkeit bestimmter internationaler Organisationen sollten wir nicht deklarierte Absichten, sondern ihre Resultate betrachten. Wenn man sich die Arbeit der WHO anschaut, wird eines klar: Ihre Notwendigkeit ist strittig.


Dieser Artikel wurde von Die Welt veröffentlicht.

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About Bill Wirtz

My name is Bill, I'm from Luxembourg and I write about the virtues of a free society. I favour individual and economic freedom and I believe in the capabilities people can develop when they have to take their own responsibilities.

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