Freie Fahrt für Busse in Europa: Die EU-Kommission glaubt an das deutsche Modell

Die Europäische Kommission hat einen Vorschlag zur Liberalisierung des europäischen Intercity-Busmarktes vorgelegt. Im Mobilitätspaket der Kommission wird den Busunternehmen die Möglichkeit gegeben, zwischen den Städten Fahrten über 100 Kilometer zu organisieren. Dieser Schritt folgt einem Beschluss des Verkehrsrates vom Februar letzten Jahres und einem noch früheren Vorstoß der Kommission für die Liberalisierung vor vier Jahren.

Die Kommission gibt sich optimistisch, dass ihr Vorschlag gut aufgenommen wird:

„Die Richtlinie zu Personenwagendiensten, die die Entwicklung von Busverbindungen über lange Strecken in ganz Europa fördern und alternative Möglichkeiten für die Nutzung von Privatfahrzeugen bieten soll, wird dazu beitragen, die Verkehrsemissionen und die Überlastung der Straßen weiter zu verringern.“

Weiter heißt es, dass die Mobilität daher erschwinglicher, qualitativ hochwertiger und letztlich eine gute Alternative für Geringverdiener sein wird.

Während Länder wie Großbritannien oder Schweden lange Zeit von liberalisierten Busmärkten und dem damit verbundenen Wettbewerb profitiert haben, wird in anderen Ländern noch stark reguliert. Gründe für diese Regelungen liegen meist in staatlichen oder subventionierten Schienennetzen, die unter der Konkurrenz privater Busbetreiber leiden. Es ist vergleichbar mit den Argumenten der Taxiunternehmen gegen Services wie Uber.

Deutschland ist eine sehr interessante Fallstudie zur Marktliberalisierung des Busreiseverkehrs. Diese Liberalisierung erforderte die Aufhebung des Monopols der Deutschen Bahn. Die Gesetze, die den Busunternehmern verboten hatten, Personenbeförderung auf Strecken zu unternehmen, auf denen die DB bereits ihre Züge fuhr, galten seit der Weimarer Republik. Vor der Liberalisierung des Busmarktes entfielen nur 1,5 Prozent des Fernverkehrs auf Überlandbusse; eine Zahl, die in vier Jahren auf 15 Prozent angestiegen ist.

In Frankreich wurde die Liberalisierung des Busmarktes durch den damaligen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron durchgesetzt (die französischen Medien bezeichnen sie immer noch als „Macron-Busse“) – gegen den Widerstand der Gewerkschaften, die sich gegen den Wettbewerb stellten. Heute bieten Unternehmen wie Flixbus oder Isilines im Vergleich zu einer teuren, defizitären, ineffizienten und überschuldeten SNCF, komfortable Reisen zu niedrigen Preisen.

Die französische Staatsbahn ist sogar so verzweifelt, dass sie negative Werbekampagnen gegen den Mitfahrdienst BlaBlaCar durchführt. Die SNCF führte auch ihr eigenes Busunternehmen OuiBus ein, das trotz seiner Subventionierung durch die französische Regierung nicht mit den privaten Betreibern konkurrieren kann. Insgesamt erarbeiten die französischen Busunternehmen einen Umsatz von über 80 Millionen Euro und schaffen über 2.000 Arbeitsplätze. Die Zahlen sprechen für sich: Die EU-Kommission trifft die richtige Entscheidung.

Der Erfolg baut auch darauf, dass sie die Reise von Personen ermöglicht haben, die vor der Marktöffnung wenig oder gar nicht gereist sind. „Diese neuen Kunden repräsentieren 20% unserer Kunden“, sagt Roland de Barbentane, General Manager von Ouibus. Der Busmarkt zieht einkommensschwache Reisende genauso an, wie die Revolution der Billigfluglinien den europäischen Flugverkehr gleichzeitig populärer und profitabler gemacht hat.

Der Schritt der Kommission wird endlich die Bevorzugung von öffentlich betriebenen Eisenbahnunternehmen beenden, welche der Mobilität der Ärmsten der Armen im Weg standen, während sie behaupten, „im öffentlichen Interesse“ zu handeln.

Die Busmarktliberalisierung bedeutet letztendlich: mehr Wahlmöglichkeiten für die Verbraucher, mehr Wettbewerb auf dem Markt, höhere Qualität für niedrigere Preise. Die Kommission gratuliert sich selbst für politische Vorschläge, die zu niedrigeren Emissionen führen werden, und das bleibt abzuwarten; viel wichtiger ist jedoch der erhöhte Mobilitätsfaktor für den europäischen Kontinent.

Wenn wir bedenken, dass es für eine einkommensschwache Familie noch nie so bequem und billig war, eine Städtereise von Berlin nach Hamburg oder von Paris nach Bordeaux zu unternehmen, dann erkennen wir, dass die Politik des freien Marktes nicht nur gute Regierungsführung ist: Es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.


Dieser Artikel wurde vom Peace Love Liberty Magazin veröffentlicht.

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About Bill Wirtz

My name is Bill, I'm from Luxembourg and I write about the virtues of a free society. I favour individual and economic freedom and I believe in the capabilities people can develop when they have to take their own responsibilities.

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