[ZOOM] Selbstbewusste Weltmeisterin

Dieser Artikel wurde für die luxemburgische Tageszeitung “Lëtzebuerger Journal” geschrieben. Die Rubrik “ZOOM” greift junge, alternative und unternehmerische Themen auf und bringt sie den Lesern näher. (Text in veränderter Form im Print)

Selten kommt es vor dass Luxemburg sich bei Weltmeisterschaften auf den ersten Platz katapultiert; was angesichts der Einwohnerzahl auch verständlich ist. Trotzdem bedeutet dies nicht dass das Großherzogtum keine außerordentlichen Talente aufzuweisen hat. Das bewies die Karateka Kimberley Nelting vor kurzem bei der Weltmeisterschaft der Karate-Junioren auf der Kanareninsel Teneriffa, wo sie in der Kategorie -59kg den ersten Platz erreichte. Sie hatte sich vor der Bulgarin Ivet Goranova, der Engländerin Charlotte Hope und der Portugiesin Mariana Lelis (beide auf dem dritten Platz), durchgesetzt.

Auf einmal waren Ende Oktober Karata und Kimberly’s Name in aller Munde, und die 17-jährige Sportlerin wurde in allen Tageszeitungen, live im Fernsehen, vom Sportminister per Telegramm und vom Premierminister Xavier Bettel über Twitter beglückwünscht. Die ganze Aufregung war für die Kolléisch-Schülerin dann schon fast so viel wie die eigentliche Weltmeisterschaft: “Ich habe so etwas noch nie erlebt, und natürlich ist das etwas ganz Neues für mich. Froh bin ich vor allem dass das Karate mehr Aufmerksamkeit im Land erhält!”, so Kimberley Nelting.

Kimberley begann ihr Training im Karate mit sechs Jahren, und ist seither in den Sport verliebt. “Mein Bruder machte damals schon Karate, und mein Vater meinte es wäre nützlich zur Selbstverteidigung.” Das würde stimmen, und der Sport hätte ihr vor allem sehr viel Selbstvertrauen gegeben: “Ich bin überhaupt nicht ängstlich, sei es um mich zu verteidigen oder im Leben im Allgemeinen.”

Um dieses Niveau im Karate zu erreichen muss man viel Zeit investieren: Tägliches Training, Ernährung umstellen, sogar Mental-Training zählt zum monatlichen Programm von Kimberley Nelting. Auch an Tagen an denen man nicht direkt trainiert ist der Sport wichtig: “Man wird nur richtig gut wenn man den Sport lebt.” Dass man dabei auch mal die ein oder andere Party verpassen würde wäre manchmal vielleicht ärgerlich, doch am Ende würde der Spaß am Sport immer triumphieren.

Besonders dankbar ist Kimberley ihrem Clubtrainer Leo Salvatore, der ihr alles beibrachte was sie heute im Wettkampf zum Einsatz bringt, und ihrem Nationaltrainer Michael Lecaplain, der mit ihr reist und sie immer dann pusht wenn das Training einmal nicht so gut läuft.

Der Direktor des “Kolléisch”, zeigte sich besonder erfreut über die Leisten der Schülerin. “Für ihre Wettkämpfe stellen wir Kimberley immer sehr gerne von Kursen frei. Dieser Sieg macht uns als Schule besonders stolz”, so Jos Salentiny. Im städtischen Lyzeum wird Kimberley Nelting sogar auf der elektronischen Wandtafel gratuliert.

Kimberley hatte bereits mehrmals an Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen, doch oft war sie kurz vor dem Ziel gescheitert. Mit diesem 1. Platz bei der WM hat sie nicht nur Freunde und Familie überrascht: “Für mich war es auch eine Dankeschön an meine Trainer, die mit mir auf dieses Resultat hingearbeitet haben.” Ihren Sieg würde sie vor allem ihrer Schwester widmen, die geistig behindert ist, und die in Teneriffa zum ersten Mal im Publikum mit dabei war. “Sie bekommt vielleicht nicht alles genau mit, doch es bedeutet mir trotzdem sehr viel dass sie mit dabei war.”

Wie es für sie weiterginge wüsste sie derzeit noch nicht genau. Die Schule will sie auf jeden Fall abschließen und beim Karate bleiben. “Studieren gehen will ich auch. Wie ich das mit dem Sport verbinde weiß ich noch nicht, doch klar ist dass es mich immer wieder zum Karate ziehen wird.”, so die Weltranglist-Erste.

About Bill Wirtz

My name is Bill, I'm from Luxembourg and I write about the virtues of a free society. I favour individual and economic freedom and I believe in the capabilities people can develop when they have to take their own responsibilities.

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