Quotenflop

Die Regierung diskutiert seit kurzem über eine Geschlechterquote in Aufsichtsräten öffentlicher Einrichtungen Unternehmen und auf Kandidatenlisten von Parteien für Wahlen. Die Vorschläge sind undemokratisch und schränken Freiheiten ein, und sind demnach auch gefährlich.

Die vorgeschlagenen Geschlechterquoten sind beispielhaft für den Effekt, der bei kleinen Gruppen zu beobachten ist: Kleine Gruppen innerhalb größerer Gruppen haben ein starkes Organisations- und Durchsetzungsvermögen. So sind die „Femmes socialistes“ und die Grünen innerhalb der Regierungskoalition mit ihrer langjährigen Forderung schnell vorangekommen und haben die Einschritte in Wirtschaft und Demokratie in den Koalitionsvertrag bekommen. Die Frage hier ist vor allem die der Rolle des Staates.

Für ein Unternehmen

Unternehmen haben Eigentümer, die mit ihrem Kapital das Risiko einer Investition tragen. Wer Risiko trägt und investiert hat als bestes Interesse Profit zu machen, und das mit möglichst effektivem Personal. Sollte das Unternehmen sich aus diversen Gründen dazu entscheiden eine qualifiziertere Person abzuweisen – durch ihr Geschlecht beispielsweise – so muss sie die Folgen ihrer Fehlinvestition tragen.

Ein Unternehmen geht mit dem Personal eine vertragliche Einigung ein, durch die beide sich Rechte und Pflichten geben. Grundsätzlich können sie selbst in der Gesellschaft mit jedem Verträge abschließen: Sie entscheiden wem sie etwas verkaufen, abkaufen, schenken, mit wem sie einen Ehevertrag schließen und so weiter. Der Staat hat als Aufgabe die Vertragspartner möglichst an ihre Verpflichtungen zu erinnern, und kann den Vertragsbruch bestrafen. Die heutige Regierung hat aber andere Vorstellungen von staatlichen Aufgaben: Sie unterstützt ein gewisses Gesellschaftsbild und will dieses gewaltsam durchsetzen (Gewalt sinnbildlich für die Staatsgewalt). Dass Frauen in den letzten Jahrzehnten immer wichtigere Rollen in der Unternehmenswelt erlangt haben interessiert sie nicht, sie will eine bestimmte Zahl: 40%.

Wenn ein Unternehmer bei gleicher Qualifikation eine Frau einem Mann vorzieht, ist das nicht weltbewegend. Gefährlich wird es wenn die Quotenregelung den Unternehmer dazu zwingt die Frau dem Mann vorzuziehen obwohl der Mann qualifizierter für den Job wäre. Wenn wir wirtschaftlich unwichtige Aspekte dem Leistungsprinzip vorziehen begehen wir einen großen Fehler. Wir schaffen die Diskriminierung vor dem Gesetz, die wir nach langen Jahren abgeschafft hatten, wieder ein.

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Es heißt manchmal es sei die „Freiheit“ des unterrepräsentierten Geschlechts besser vertreten zu sein. Diese Aussage zeigt ein Missverständnis gegenüber der Bedeutung von Freiheit an sich. Als Besitzer der Eigentumsrechte haben sie Entscheidungsfreiheit: So kann ich beispielsweise nicht ohne eine Einladung in ihr Haus kommen und ihren Kaffee trinken. Es ist nicht meine Freiheit ihren Kaffee zu trinken, sondern ihre Freiheit ihren Kaffee so zu verwenden wie sie es möchten. Genauso ist es die Freiheit des Unternehmers, die Person einzustellen die sie einstellen möchte, und nicht die „Freiheit“ des potenziellen Arbeitnehmers die Stelle zu bekommen.

In der Demokratie

Nach Wahlen gibt es immer Menschen die frustriert sind, entweder weil die von ihnen unterstützte politische Gruppierung sich nicht durchsetzen konnte, oder weil sie von der Arbeit der politischen Mehrheit enttäuscht sind. Dazu haben sie auch einen guten Grund, da Demokratie nicht heißt dass man das bekommt was das Beste für das Land ist, sondern lediglich das was gewählt wurde. Jeder Bürger sollte dabei die Möglichkeit bekommen zu wählen und gewählt zu werden. Gehen wir rein hypothetisch davon aus dass ein konservativer luxemburgischer Abgeordneter (die Namensnennung wäre hier auch wieder nur zu viel Werbung) eine Wahlliste aufstellen würde auf der ausschließlich Männer aufzufinden sind. Diese „Männerliste“ würde wie jede andere Liste ihre politischen Ideen vertreten und sie hätten als Bürger die Wahl ob sie diese für wählbar halten oder nicht. Sollten sie aus dem Grund heraus dass nur Männer auf dieser Liste aufgestellt sind sich dazu entscheiden sie nicht zu unterstützen, so ist das ihre (und die voraussehbar allgemeine) Entscheidung. Sollten sie der Meinung sein dass eine diversifizierte Liste für sie einen größeren Wert hat, so liegt das ganz bei ihnen.

Sie haben das Recht in ihrem Leben verschiedene Vorstellungen zu haben wie die Gesellschaft sein sollte und für diese werben, aber sie sollten nicht das Recht haben ihre Vorstellungen anderen Menschen aufzuzwingen.

Die Regierung wird mit ihrem Vorschlag der Kürzung der Parteienfinanzierung bei einem Frauenanteil von weniger als 40% zwar keiner Partei vorschreiben wen sie aufstellen darf, aber sie wird die finanziellen Möglichkeiten dieser Parteien über die Parteienfinanzierung sehr stark einschränken. Das ist ein Eingriff in die Demokratie die die ernst zu nehmende Frage aufwirft: Welche Sorgen müssen wir uns machen wenn das Parlament von heute die Beteiligung der nächsten Wahl einschränken oder manipulieren kann?

Kurz gesagt: Wer die oberflächigen Ansichten Verschiedener gegenüber einer angeblichen „Rollenverteilungen“ ändern möchte, und glaubt er könne dies mit einem Gesetz erreichen, irrt sich. Wenn wir zu lernen beginnen dass individuelle Freiheiten und Toleranz die Pfeiler sind auf die wir uns stützen müssen, dann wird die positive Entwicklung der letzten Jahrzehnte nur noch beschleunigt. Eine Entwicklung, die kein Staat durch planen und verbieten je erreichen werden kann.

Die Frage stellt sich: Wenn wir Menschen die freie Entscheidungen für sich selbst treffen nicht trauen können, wie können wir Menschen trauen die diese Entscheidungen für uns treffen?


Dieser Artikel wurde am 16/10/2014 im Lëtzebuerger Journal veröffentlicht.

Picture by Philippe Meyers.

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About Bill Wirtz

My name is Bill, I'm from Luxembourg and I write about the virtues of a free society. I favour individual and economic freedom and I believe in the capabilities people can develop when they have to take their own responsibilities.

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