[ZOOM] Architektur und Kunst

Dieser Artikel wurde für die luxemburgische Tageszeitung “Lëtzebuerger Journal” geschrieben. Die Rubrik “ZOOM” greift junge, alternative und unternehmerische Themen auf und bringt sie den Lesern näher. (Text in veränderter Form im Print)

Sie sind in fast jedem Ort den wir betreten: Architektur und Kunst prägen den Charakter unserer Städte und sind indikativ für unsere Zeit. Kunst und Architektur helfen uns Geschichte zu verstehen, denn selbst wenn wir sehr wenig von beiden verstehen: Die meisten von uns erkennen Mittelalter, Renaissance, Funktionalismus oder moderne Architektur. Für Maïté Seimetz, Auszubildende Architektin und Hobbykünstlerin, sind beide Bereiche nicht automatisch synonym: “Nicht jede Art von Architektur ist Kunst und bei weitem nicht jeder Architekt ist ein Künstler. Die Nachfrage beides zu verbinden ist allerdings da.”

Die 21-jährige Luxemburgerin machte nach ihrem Sekundarschulabschluss im städtischen Kolléisch ihr Bachelor an der Oxford Brookes School of Architecture. Seit ihrem Abschluss dort arbeitet sie als Auszubildende in einem Architektenbüro in London. Hier arbeitet sie an vielen verschiedenen Projekten, bei denen sie Aspekte sieht die das Studium nicht direkt mitbringt: “Die Arbeit als Architektin erwartet auch soziale Kompetenzen. Neben der Teamarbeit muss man auch mit Kunden und ganz besonders denen sprechen, die das Projekt bautechnisch umsetzen.”

Für Maïté Seimetz ist Architektur eines Gebäudes ein wichtiger Bestandteil des Wohlergehens der Menschen die darin wohnen oder arbeiten. Es müsse klar sein dass rein funktionelle Bauten sich auch auf die Stimmung der Nutzer auswirkt. “Ästhetik soll kein Luxus sein. Niemand will in einer Kiste hocken.” Besonders inspirierend findet sie die Arbeit des in Barcelona befindlichen Architektentudio Flores&Prats, sowie die des verstorbenen italienischen Architekten Carlo Scarpa, dessen Arbeit sie für den Sinn fürs Detail bewundert.

Neben ihrer Arbeit als aufstrebende Architektin ist Maïté Kunstbegeisterte. Wer sich authentische Landschaften erwartet ist bei ihr aber fehl am Platz, da sie sich vor allem für Surrealismus interessiert. Ihr wiederkehrendes Muster ist “I ate Maïté”: Merkwürdige Gestalten die mit ihren wundersame Körpern posieren. “Bitey Beatrice”, “Mr. T”, “Ruthless Ruby” oder “Lanky Louis”, bringen den Betrachter zum schmunzeln. Die furchterregend und doch kurios-witzigen und vulgäre Zeichnungen sollen Menschen in ihren jeweiligen Charakterzügen personifizieren, oft auch in ihren eigenen “Dämonen”. “Ich projektiere in ihnen auch meine eigenen Gefühle. An einem schlechten Tag lasse ich das in die Figuren einfließen. Dann ist es auf dem Bild, und nicht mehr in mir selbst”, sagt die junge Zeichnerin. Ihre Familie und Freunde wüssten oft woher der jeweils neue Zeichencharakter herkommen würde.

Im November hatte Maïté zum ersten Mal die Gelegenheit ihre Zeichnungen einem Publikum vorzustellen. Bei einer Ausstellung im “Espace H2” in Differdingen stellte sie, gemeinsamen mit anderen Künstlern” ihre Bilder vor. “Besonders interessant fand ich Leuten zuzuschauen die meine Bilder betrachteten. Als Künstler ist man anonym, und kann deshalb die authentischen ersten Eindrücke mit verfolgen.” Zwei Bilder verkaufte sich auch gleich in ihrer ersten Ausstellung. Eines davon würde heute in einer Anwaltskanzlei in Köln hängen: “Ich hätte mir nicht vorgestellt dass eines Tages Anwälte Tag ein und Tag aus an meinem Bild vorbei gehen würden!”

Karrieretechnisch ist Maïté ambitiös: “Der Plan für mich wäre ein eigenes Architektenbüro zu gründen. Dort könnte ich meine künstlerische Ader durch das Design der Bauten verwirklichen.” Erst einmal wolle sie mehr Erfahrung sammeln und weiter ihr Hobby verfolgen.

Wer mehr von Maïté’s Bildern sehen will, der kann das auf ihren Instagram-Profil www.instagram.com/i.ate.maite tun, oder auf ihrer Webseite: http://www.maiteseimetz.com.

About Bill Wirtz

My name is Bill, I'm from Luxembourg and I write about the virtues of a free society. I favour individual and economic freedom and I believe in the capabilities people can develop when they have to take their own responsibilities.

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